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Beitrag vom 20.05.2023
in der Kategorie: Naturschutz

Weltbienentag – Die Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr. “ – Albert Einstein.
Eine Welt ohne Bienen ist undenkbar, wie schon Albert Einstein sagte. Deshalb begehen wir heute am 20. Mai den Weltbienentag, um auf die Bedeutung der Bienen für die Natur und den Menschen aufmerksam zu machen.
Heute ist der Weltbienentag 2023 und wir wollen euch die Zweifarbige-Schneckenhaus-Mauerbiene genauer vorstellen!
Heute ist der Weltbienentag 2023 und wir wollen euch die Zweifarbige-Schneckenhaus-Mauerbiene genauer vorstellen!

Den Bienen verdanken wir einen Großteil unserer Nahrung. Ohne ihre Bestäubung gäbe es weder Obst und Gemüse in der Natur noch im Supermarkt. Ganz zu schweigen von all den Pflanzen, die auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen sind. Doch durch Pestizide, die Verdrängung ihrer Lebensräume und zunehmenden Nahrungsmangel leiden Bienen immer mehr. In asiatischen Ländern müssen Pflanzen inzwischen teilweise mühsam von Menschenhand bestäubt werden. So weit darf es nicht kommen! Mit unserem Leuchtturmprojekt „Unser Bienenwald Sachsens“ und dem Engagement vieler freiwilliger Helferinnen und Helfer setzen wir uns für eine insektenfreundliche Aufforstung ein, um die Artenvielfalt, den Lebensraum und das Nahrungsangebot für Wildbienen zu erhalten und zu fördern.

Auch der MDR SACHSEN berichtet über den Bienenwald und seine Bewohner sowie die vielfältigen BNE-Angebote: Hier geht’s zum Beitrag!

Eine dieser Wildbienen ist die Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene – der Star in unserem Kinderbuch „Wildbiene Wonka – Abenteuer im Bienenwald“. Heute, am Weltbienentag, wollen wir das reale Pendant unserer Kinderbuch-Wildbiene Wonka näher vorstellen.

Lebensraum der Zweifarbigen Schneckenhaus-Mauerbiene

Unsere Wildbiene lebt in Nord- und Südeuropa und kommt auch in Zentralasien vor. Besonders häufig ist sie an strukturreichen Waldrändern, Trockenrasen, Hecken, Brachen und Böschungen anzutreffen. So ist sie auch bei uns im Bienenwald ein ständiger Gast. Im Rahmen von Exkursionen, geführten Wanderungen und unseren BNE-Angeboten sind wir dieser einzigartigen Wildbiene schon oft begegnet. Die Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene hat ein ganz besonderes Zuhause, wie man sicher schon an ihrem Namen erkennen kann. Sie lebt nämlich ausschließlich in Schneckenhäusern! Insgesamt gibt es weltweit nur 7 Wildbienenarten, die ein Schneckenhaus als Brutstätte wählen.

Körpermerkmale der Zweifarbigen Schneckenhaus-Mauerbiene

Unsere Wildbiene trägt den lateinischen Namen „Osmia Bicolor“. Das Weibchen ist 8 bis 10 mm groß und hat einen rostroten bis rostbraunen Körper (Thorax) und Hinterleib (Abdomen). Nur der Kopf und einige Körperteile sind tiefschwarz gefärbt. Die männliche Wildbiene (Drohne) ist etwas kleiner und komplett schwarz gefärbt und weiß behaart. Die Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene ist eine „Bauchsammlerin“. Das bedeutet, dass sie die Pollen auf der Unterseite des Hinterleibs sammelt und nicht in einem Körbchen am Bein, wie es bei den Honigbienen der Fall ist. Die Zweifarbige Mauerbiene gehört zu den solitären Bienen, d.h. sie ist eine Einzelgängerin und lebt nicht wie z.B. die Honigbiene zu Tausenden in einem Bienenstock.

Der Lebenszyklus der Zweifarbigen Schneckenhaus-Mauerbiene

Nachdem die Larve aus dem Ei geschlüpft ist, beginnt ihr kurzes Leben von etwa einem Jahr. Zunächst ernährt sie sich von den Nahrungsvorräten, die ihre Mutter im Schneckenhaus gesammelt hat. Nach einiger Zeit verpuppt sie sich und überwintert. Erst als voll entwickelte Wildbiene verlässt sie im März das Schneckenhaus. Jetzt lebt sie noch etwa 6 Wochen und hat eine Menge zu tun. Frisch geschlüpft, macht sie sich auf die Suche nach männlichen Bienen (Drohnen), um sich zu paaren. Diese Wildbienenart ist eine der ersten Bienen, die wir im Frühling beobachten können.

Ab April legt unsere Wildbiene ihre Eier in ein Schneckenhaus. Dazu kommen für sie mittelgroße Schneckenhäuser der Gattungen Garten-Schnirkelschnecke, Gefleckte Schnirkelschnecke, Genabelte Strauchschnecke, Gerippte Bänderschnecke und Hain-Bänderschnecke in Frage. Bevor die Eiablage beginnen kann, wird ein geeignetes Schneckenhaus mit Pflanzmörtel, einer Mischung aus Speichel und Pflanzenresten, bedeckt. Dies dient einerseits als Reserve für das spätere Verschließen des Schneckenhauses und andererseits als Tarnung, da Fressfeinde wie Vögel das Schneckenhaus für ein Altes halten.

Meistens legt sie nur ein einziges Ei ab. Es wurden aber auch schon 4 Eier in einem Schneckenhaus gefunden. Die Brutzelle wird durch eine Pflanz-Mörtelwand geschützt, die aus Futterresten und Sekreten der Wildbiene besteht. In einer weiteren Zelle legt sie eine Futterkammer für ihren Nachwuchs an, welche mit Nektar verschiedener Pflanzen gefüllt ist. Auch diese wird durch eine weitere Wand aus Pflanzenmörtel geschützt. Der Rest des Schneckenhauses wird zur Stabilisierung und zum Schutz mit Steinen, Sand und Pflanzenresten gefüllt. Anschließend verschließt die Wildbiene den Ausgang des Schneckenhauses mit dem Pflanzmörtel, den sie zuvor über das Schneckenhaus gelegt hat. Ist die Arbeit beendet, dreht die kleine Biene das Schneckenhaus mit viel Kraft so, dass die verschlossene Öffnung auf dem Boden liegt und das Ei vor Fressfeinden geschützt ist. Danach sammelt unsere Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene Gras, Blattnadeln und kleinste Stöckchen, um das ganze Schneckenhaus abzudecken. Es ist erstaunlich, dass die Biene wie die Ameise ein Vielfaches ihres eigenen Körpergewichts tragen kann. Diese Tarnung kann faustgroße Ausmaße annehmen. Nun macht sie sich auf die Suche nach einem neuen Schneckenhaus, um dort ein weiteres Ei abzulegen. Ende Juni verstirbt die Wildbiene. In dieser Zeit hat sie 5 bis 7 Schneckenhäuser mit je einem Ei bestückt.

Nutzen für die Menschheit

Die Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene ist sehr wichtig für die Natur und für uns Menschen, denn sie hat eine ganz besondere Aufgabe – zum Vergleich: Rund 10.000 Honigbienen sind nötig, um die gleiche Menge an Pflanzen zu bestäuben, die 500 Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbienen im gleichen Zeitraum schaffen. Unsere Wildbiene zeigt ein polylektisches Pollensammelverhalten, d.h. sie sammelt Pollen und Nektar an vielen verschiedenen Pflanzen und ist daher für die Artenvielfalt sehr wertvoll, da sie eine Meisterin im „Fallenlassen“ von Pollen während des Fluges ist. Auf diese Weise trägt sie zur Bestäubung eines breiten Spektrums von Pflanzen in ihrer Umgebung bei.

In Deutschland ist diese Wildbienenart geschützt. Ein besetztes Schneckenhaus sollte nicht berührt werden, da es sonst beschädigt werden kann. Man kann der Zweifarbigen Schneckenhaus-Mauerbiene aber ein neues Zuhause im Garten geben. Haltet einfach Ausschau nach leeren Schneckenhäusern. Diese könnt ihr an verschiedenen Stellen auslegen und mit etwas Glück seht ihr schon bald eine fleißige Wildbiene! Die Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene ist bis etwa Ende Juni aktiv.

Wenn auch ihr in unserem Bienenwald neuen Lebensraum für Wildbienen schaffen wollt, dann werdet jetzt zu „Helden der Artenvielfalt“!

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