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Beitrag vom 22.05.2024
in der Kategorie: Naturschutz

Tag der biologischen Vielfalt: Heimliche Heldinnen der Wälder

Heute, am 22. Mai, feiern wir den Internationalen Tag der biologischen Vielfalt - ein guter Anlass, um eine faszinierende und schützenswerte Art genauer unter die Lupe zu nehmen: die Kahlrückige Waldameise. Was diese bemerkenswerten Insekten so besonders macht und warum ihr Schutz so wichtig ist, erfahrt Ihr in unserem heutigen Faktencheck.
Waldameisen – wuselige Insekten. Doch was macht sie so besonders?
Waldameisen – wuselige Insekten. Doch was macht sie so besonders?

Kaum jemand kann sich der Faszination der emsigen Waldameisen entziehen. Die winzigen, aber unglaublich gut organisierten Insekten spielen eine zentrale Rolle im Ökosystem Wald. Bei uns am Landgut Kemper & Schlomski haben wir das große Glück, gleich vier Nester der Kahlrückigen Waldameise, auch unter ihrem lateinischen Namen Formica polyctena bekannt, entlang der Exkursionsrouten zu beheimaten. Dies ermöglicht es uns, im Rahmen der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) auf die Bedeutung dieser Tiere aufmerksam zu machen und nachhaltiges Wissen zu vermitteln. Die Waldameisen beeindrucken nicht nur durch ihre Größe, sondern auch durch ihre auffällige Rotfärbung. Der Kontrast zwischen dem roten Körper und dem schwarzen Kopf und Hinterleib macht sie zu einem echten Hingucker in der Insektenwelt. Um die Art eindeutig zu bestimmen, braucht man ein Mikroskop, denn in Sachsen gibt es insgesamt sechs Waldameisenarten, die sich äußerlich sehr ähneln.

Eine Königin der Kahlrückigen Waldameise kann bis zu 20 Jahre alt werden – eine erstaunliche Lebensspanne für ein Insekt! Auch die Arbeiterinnen, die unermüdlich ihre Arbeit verrichten, können bis zu 6 Jahre alt werden. Im Winter ziehen sich die Ameisen tief in ihre Hügel zurück, um in einer Art Winterstarre die kalte Jahreszeit zu überstehen. Diese Hügel, oft kunstvoll aus Nadeln und Zweigen gebaut, bieten den Ameisen Schutz und eine stabile Temperatur.

Einblicke in das geheimnisvolle Leben der Ameisen

Im Jahr 2023 hatten wir das Vergnügen, einen Podcast mit dem Waldameisenexperten Herrn Hartmut Goldhahn von der Deutschen Ameisenschutzwarte Sachsen e.V. aufzunehmen. Herr Goldhahn hat uns faszinierende Einblicke in das Leben der hügelbauenden Waldameisen gegeben. 

Alle 3 Teile des Podcast anhören:

Warum sind die Kahlrückigen Waldameisen schützenswert?

Die Kahlrückige Waldameise spielt eine wichtige Rolle im Ökosystem. Sie trägt zur Durchlüftung des Bodens bei, fördert den Abbau von organischem Material und kontrolliert die Schädlingspopulation. Ihr Fehlen würde das Gleichgewicht des Waldes empfindlich stören. Deshalb ist es so entscheidend, diese kleinen, aber wichtigen Waldbewohner zu schützen und ihren Lebensraum zu erhalten. Doch nicht nur das Waldsterben und der Mensch bedrohen die Ameisen. Auch Wildschweine können den wertvollen Ameisen gefährlich werden. Vor allem im Winter, wenn sie in den Waldameisenhügeln nach Rosenkäferlarven suchen, kann das für eine millionenstarke Kolonie das Aus bedeuten. Denn sobald der Hügel im Winter ein großes Grabloch aufweist, können die Ameisen erfrieren, da der Hügel seine schützende Wärme verliert.

5 Fakten über die Kahlrückige Waldameise die Ihr bestimmt noch nicht wusstet:

Auch ein kahler Rücken kann entzücken – Die Kahlrückige Waldameise trägt ihren Namen nicht ohne Grund. Ihr Rücken ist fast kahl und weist maximal 15 Haare auf – ein auffälliges Merkmal im Vergleich zu ihren behaarten Artgenossen. Auch auf der Kopfunterseite finden sich nur bis zu 7 Haare. Diese Merkmale sind wichtig, um sie eindeutig zu bestimmen, denn sie kann leicht mit der Roten Waldameise (Formica rufa) verwechselt werden, die mindestens 30 Haare auf dem Rücken und mindestens 15 Haare unter dem Kopf hat – fast wie ein Ziegenbart!

Architekten des Waldes – Die Nester der Kahlrückigen Waldameise sind wahre Kunstwerke. Meist sind es auffällige Kuppelbauten aus Pflanzenteilen wie Nadeln, Blättern und Zweigen, die sie an Baumstümpfen errichten. Diese Baumstümpfe bieten eine stabile Basis und zusätzlichen Schutz. Oft residieren dort auch die Königinnen. Doch Waldameisen sind anpassungsfähig: An unserem Landgut haben wir Nester gefunden, die sich einen halben Meter über dem Boden im Inneren eines Totholzbaumes befinden – ein faszinierender Anblick! Typischerweise findet man die Nester im Halbschatten an Waldsäumen oder auf Lichtungen.

Königinnen-Kolonie – Die Kolonie der Kahlrückigen Waldameise ist polygyn, d.h. es leben mehrere Königinnen zusammen. Diese Mehrköniginnenstrategie führt oft zur Bildung von Tochternestern, die vom Hauptnest ausgehen und nicht weit davon entfernt liegen. Bei der Gründung solcher Tochternester wandern die Königinnen mit einem Teil der Arbeiterinnen und der Brut ab, um ein eigenes Nest zu gründen. Ein erstaunliches Naturschauspiel!

Ameisenmetropole – Dank der vielen Königinnen kann eine Kolonie der Kahlrückigen Waldameise zu einer wahren Metropole heranwachsen. In einem großen Volk können mehrere Millionen Tiere leben – eine beeindruckende Vorstellung, wenn man bedenkt, welche großen und organisierten Gemeinschaften diese winzigen Wesen bilden können.

Streng geschützt und unverzichtbar – Hügelbauende Waldameisen sind in Sachsen streng geschützt. Seit preußischer Zeit, genauer gesagt seit 1724, steht das Töten und Fangen der Tiere sowie das Zerstören ihrer Nester unter Strafe. Damals erkannte man, wie Waldameisen Flächen vor dem Kahlfraß durch den Schmetterling „Nonne“ schützten. So entstanden bei Nestern der Waldameisen „grüne Inseln“, während andere Waldabschnitte kahl gefressen wurden. Auch heute leisten Waldameisen einen wichtigen Beitrag zum Waldschutz: Sie befreien den Wald von vielen Schädlingen wie dem Borkenkäfer, der zum Absterben der Fichten führt. Außerdem tragen sie durch das Sammeln und Verbreiten von Samen zur Artenvielfalt bei. Aus diesem Grund werden sie auch als „Waldpolizei“ bezeichnet.

Natur-Olympiade:
Grundschüler entdecken die Welt der Waldameisen

Am 23. und 24. April verwandelte sich der außerschulische Lernort Landgut Kemper & Schlomski in eine Oase der nachhaltigen Bildung für Natur- und Artenschutz. 130 Grundschüler strömten zur diesjährigen Natur-Olympiade, um die heimische Flora und Fauna zu entdecken. Ein besonderes Highlight war die Station „Das große Krabbeln – Waldameisen“, die von Mitgliedern der Deutschen Ameisenschutzwarte Sachsen e.V. betreut und gemeinsam mit dem LGKS in Anlehnung an den sächsischen Lehrplan gestaltet wurde. Sie zogen die Kinder in den Bann der Waldameisen und vermittelten anschaulich Wissen über die kleinen wuseligen Insekten.

Bärbel Kemper, Hartmut Goldhahn und Anna-Karina Kemper zeigen Kindern den Ameisenhügel
Der Waldameisen-Hügel gleicht einem riesigen Wimmelbild.

Hintergrund zum internationalen Tag der biologischen Vielfalt:

Am 22. Mai findet jedes Jahr der Internationale Tag der biologischen Vielfalt statt, der 2001 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen wurde. Dieser Tag soll das Bewusstsein dafür schärfen, wie wichtig die biologische Vielfalt für das Überleben unseres Planeten ist. Die Zerstörung wertvoller Lebensräume und das Aussterben wichtiger Arten machen den Schutz der Biodiversität dringlicher denn je.

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