Beitrag vom 28.08.2026
in der Kategorie: BNE

Uganda trifft Sachsen: Gemeinsam „Botschafter der Artenvielfalt“ werden – Uganda Meets Saxony: Becoming „Ambassadors for Biodiversity“ together

Wie lange braucht ein Papiertaschentuch, bis es sich im Wald zersetzt? Was unterscheidet Hart- von Weichholz? Und wie können neu gepflanzte Gehölze dazu beitragen, Lebensräume und Nahrungsangebote für Insekten zu erweitern? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigten sich am Freitag, dem 28. August 2026, die Schüler des Gymnasiums Dresden-Tolkewitz gemeinsam mit ihren ugandischen Austauschgästen vom Ocer Campion Jesuit College aus Gulu bei uns am Landgut.
Die deutsch-ugandische Austauschgruppe gemeinsam mit Anna-Karina Kemper am Landgut.
Was unterscheidet Hart- von Weichholz? Und wie wird aus einem Johannisbeerstrauch eine „Wildbienen-Tankstelle“? Diesen und vielen weiteren Fragen gingen die Schüler des Gymnasiums Dresden-Tolkewitz gemeinsam mit ihren ugandischen Austauschgästen vom Ocer Campion Jesuit College aus Gulu bei uns auf dem Landgut Kemper & Schlomski nach.

Die Austauschgruppe reiste mit dem ÖPNV nach Niederschlottwitz und wurde dort von Anna-Karina Kemper begrüßt. Nach einer Vorstellungsrunde führte der Weg den Lederberg hinauf, vorbei an der sagenumwobenen 1.000-jährigen Eibe und weiter zum Schulwald, der ersten Station des gemeinsamen Natur-Aktivtages.

Vom Schulwald bis zum Bienenwald: Lebensräume entdecken und verstehen

Im Schulwald erhielten die Jugendlichen Einblicke in seine Entstehungsgeschichte sowie in die verschiedenen Quartiere mit ihren unterschiedlichen Gehölzen. Neben der Pflanzenwelt standen auch die tierischen Bewohner des Waldes und der Schutz ihrer Lebensräume im Mittelpunkt.

Wie eng Naturschutz und individuelles Handeln miteinander verbunden sind, zeigte der Wissens-Spot „Müll im Wald“. Gemeinsam schätzten die Schüler, wie lange unterschiedliche Materialien benötigen, um sich in der Natur zu zersetzen. Dabei wurde deutlich, dass selbst vermeintlich harmlose Abfälle wie ein Papiertaschentuch über längere Zeit im Ökosystem verbleiben können.

An der Totholz-Station konnten die Jugendlichen anschließend Rosenkäfer-Larven aus nächster Nähe betrachten. An diesem Beispiel wurde anschaulich, welche ökologische Bedeutung Totholz besitzt und warum der Erhalt solcher Strukturen für die biologische Vielfalt wichtig ist.

Holz als Ressource: Kreislaufwirtschaft aus zwei Perspektiven

Am Holzplateau beschäftigte sich die Gruppe mit den Unterschieden zwischen Hart- und Weichholz sowie mit verschiedenen Möglichkeiten der Holzverarbeitung. Gleichzeitig stellten wir vor, wie wir am Landgut die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft umsetzen und natürliche Ressourcen möglichst vollständig und nachhaltig nutzen.

Daran knüpfte ein unmittelbarer deutsch-ugandischer Erfahrungsaustausch an. Die Gäste aus Uganda berichteten, welche Rolle Holz als Rohstoff in ihrem Alltag spielt, wie es verarbeitet wird und auf welche Weise Prinzipien der Kreislaufwirtschaft vor Ort umgesetzt werden. Damit wurde der Lernort zugleich zu einem Ort des Perspektivwechsels: Unterschiedliche Erfahrungen und Lösungsansätze konnten miteinander verglichen und gemeinsam diskutiert werden.

Vorbei am Bienenwald und seinen vielfältigen Gehölz- und Lebensraumstrukturen führte der Weg anschließend zum Landgut.

Entwicklungszusammenarbeit im direkten Austausch beim traditionellen „Landgut-Chili“

Beim gemeinsamen Mittagessen mit unserem als „Gutes von hier.“ ausgezeichneten Landgut-Chili begrüßten wir auch Christoph Schmitt von der Sächsischen Staatskanzlei. Als Referent für Entwicklungszusammenarbeit war er am Aufbau der Uganda-Sachsen-Partnerschaft beteiligt und begleitet ihre Entwicklung.

Im Mittelpunkt des gemeinsamen Gesprächs standen die bisherigen Erfahrungen innerhalb der Partnerschaft und die Bedeutung persönlicher Begegnungen für eine langfristige Zusammenarbeit. Christoph Schmitt hob hervor, welchen Beitrag außerschulische Lernorte dazu leisten, internationale Partnerschaften konkret erfahrbar zu machen. Sie schaffen Räume, in denen junge Menschen gemeinsam lernen, praktische Erfahrungen sammeln und unterschiedliche Perspektiven miteinander in Beziehung setzen können.

Artenvielfalt praktisch gestalten

Nach dem Mittagessen führte der Rundgang entlang der Koppeln zu unseren Fjordpferden. Dort erhielten die Gäste Einblicke in die Besonderheiten der Rasse sowie in Haltung und Umgang mit den Tieren auf dem Landgut.

Anschließend wurde aus Wissensvermittlung konkrete Mitgestaltung! Gemeinsam pflanzten die ugandischen Schüler Johannisbeersträucher und eröffneten damit eine weitere „Wildbienen-Tankstelle“.

Die Gehölze erweitern künftig das Nahrungsangebot für Insekten und tragen zur ökologischen Vielfalt in der Kulturlandschaft bei. Gleichzeitig entsteht damit ein sichtbarer Bezug zwischen den Austauschbegegnungen. Beim nächsten Besuch im kommenden Jahr können die nun gepflanzten Sträucher erneut gemeinsam in den Blick genommen und möglicherweise bereits die ersten Früchte geerntet werden.

Vom kulturellen Austausch zum „Ambassador for Biodiversity“

Auf dem Weg zur letzten Station des Tages, unserem Naturteich, führte die Route entlang der Streuobstwiesen-Alleen. Dort wurden reife Äpfel direkt vom Baum geerntet und gemeinsam verkostet.

Für einige der ugandischen Gäste war dies eine neue Erfahrung: Sie probierten erstmals einen frisch gepflückten Apfel. Die Begegnung bot damit auch Anlass für einen Austausch über unterschiedliche Kulturpflanzen, Ernährungsgewohnheiten und Landschaftsbilder in Sachsen und Uganda.

Am Naturteich folgte eine weitere Premiere…

Erstmals wurde unser Wildbienen-Führerschein im Rahmen eines internationalen Austauschs vergeben.

Die ugandischen Gäste erhielten das Zertifikat „Botschafter der Artenvielfalt – Ambassador for Biodiversity“. Es steht für das während des Tages erworbene Wissen zu Biodiversität, Naturschutz und nachhaltigem Handeln und für die Idee, dieses Wissen über den Lernort hinaus weiterzutragen.

Partnerschaft wird dort lebendig, wo Menschen sich begegnen

Der gemeinsame Tag hat gezeigt, welches Potenzial in der Verbindung von Bildung für nachhaltige Entwicklung und internationalem Austausch liegt. Ökologische Fragestellungen wurden vermittelt und praktisch erfahren, gemeinsam diskutiert und aus unterschiedlichen kulturellen Perspektiven betrachtet. So wird die Uganda-Sachsen-Partnerschaft auf einer ganz konkreten Ebene erlebbar. Junge Menschen begegnen einander, bringen ihr Wissen und ihre Erfahrungen ein und entwickeln gemeinsam neue Perspektiven auf den verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Ressourcen. Für uns als außerschulischen Lernort ist genau diese Verbindung von Naturerfahrung, Mitgestaltung und internationalem Perspektivwechsel ein wichtiger Bestandteil unserer Bildungsarbeit.

Wir freuen uns darauf, diesen Austausch fortzuführen und auch im kommenden Jahr weitere Austauschgruppen auf dem Landgut Kemper & Schlomski zu begrüßen.

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