Beitrag vom 01.07.2026
in der Kategorie: BNE

Wo Partnerschaft lebendig wird

Schulpartnerschaften leben von persönlichen Begegnungen. Erst wenn junge Menschen gemeinsam lernen, arbeiten und ihre Erfahrungen teilen, wird aus einer politischen Vereinbarung gegenseitiges Verständnis. Als außerschulischer Lernort gestalten wir gemeinsam mit den beteiligten Schulen Exkursionstage, die genau solche Begegnungen ermöglichen.

Seit dem 18. Juni 2024 verbindet den Freistaat Sachsen und Uganda eine offizielle Strategische Partnerschaft. Ein zentrales Anliegen dieser Zusammenarbeit ist es, den Austausch zwischen jungen Menschen zu fördern und globale Zusammenhänge durch gemeinsames Lernen erlebbar zu machen. Schulpartnerschaften bilden dabei einen wichtigen Baustein. Auch außerschulische Lernorte leisten hierzu einen wertvollen Beitrag. Auf dem Landgut Kemper & Schlomski entwickeln und gestalten wir Exkursionstage, die Bildung für nachhaltige Entwicklung, praktischen Naturschutz und interkulturellen Austausch miteinander verbinden. 

Den Auftakt machte im vergangenen Jahr das Gymnasium Dresden-Tolkewitz gemeinsam mit seiner Partnerschule, dem Ocer Campion Jesuit College aus Uganda. Dass wir beide Schulen Ende August erneut auf unserem Landgut begrüßen dürfen, zeigt, wie sich aus einer ersten Begegnung eine lebendige Zusammenarbeit entwickelt. Umso mehr freuten wir uns, bereits jetzt eine weitere sächsisch-ugandische Schulpartnerschaft willkommen zu heißen. Zu Gast waren die Gemeinschaftsschule Campus Cordis Dresden und ihre Partnerschule, die Kololo Senior Secondary School aus Kampala.
Für die Gemeinschaftsschule Campus Cordis war es ein besonderer Monat: Erst wenige Tage zuvor wurde ihr herausragendes Engagement für globale Bildung und internationale Schulpartnerschaften bundesweit gewürdigt. Im Schulwettbewerb „alle für EINE WELT für alle“ erhielt die Schule den ENSA-Sonderpreis. Zu dieser verdienten Auszeichnung gratulieren wir der gesamten Schulgemeinschaft ganz herzlich. Umso mehr freute es uns, diesen gemeinsamen Exkursionstag mitgestalten zu dürfen. Schon bei der Ankunft war spürbar, worum es an diesem Tag gehen würde. Es wurde gelacht, gefragt, übersetzt, erklärt und gemeinsam angepackt. Die Neugier war auf beiden Seiten groß – und sie blieb es bis zum Ende.

Wenn ein Wald Fragen aufwirft

Überrascht hat uns, wofür sich unsere Gäste am meisten interessierten. Nicht die Pferde standen zunächst im Mittelpunkt, sondern unser Wald. Immer wieder ging es um Fragen wie: Warum sterben unsere Wälder? Weshalb sind vor allem Fichten betroffen? Welche Folgen haben Trockenheit und der Klimawandel? Nach welchen Kriterien wählen wir Baumarten für den Wald der Zukunft aus? Und warum spielen ausgerechnet Wildbienen bei unserem Waldumbau eine so wichtige Rolle?
Gemeinsam besuchten wir unseren Bienenwald – ein Waldumbauprojekt, in dem wir klimaresiliente Mischwälder entwickeln und gleichzeitig die Artenvielfalt fördern – sowie unseren Schulwald. Eine Rückmeldung hat uns besonders bewegt: Wir verstehen das Waldsterben nicht nur als Krise, sondern auch als Chance, heute einen vielfältigen und widerstandsfähigen Wald für kommende Generationen zu entwickeln. Wie unterschiedlich sich Natur entwickelt und welche Geschichten Bäume erzählen können, wurde wenig später an einem alten Stammabschnitt sichtbar.

Wenn ein Baum seine Geschichte erzählt

Gemeinsam zählten wir die Jahresringe und sprachen darüber, wie sich daran Alter, Wachstumsbedingungen und sogar schwierige Trockenjahre ablesen lassen. Für die Jugendlichen aus Uganda war das faszinierend. Die Vorstellung, dass ein Baum seine Lebensgeschichte über Jahrzehnte im Holz speichert, sorgte für großes Staunen und führte direkt zum gemeinsamen Handeln.

Nachhaltigkeit beginnt mit Handeln

Auf unserer Streuobstwiese pflanzten die Jugendlichen und Lehrkräfte gemeinsam drei Pflaumenbäume. Die ugandischen Schülerinnen und Schüler staunten darüber, wie viel Aufmerksamkeit bei uns jeder einzelne Baum erhält. Dabei zeigte sich einmal mehr, dass gemeinsames Lernen oft mit einer einzigen Frage beginnt.

Eine einfache Frage zur Schafwolle

„Warum macht ihr daraus keine Kleidung?“ Diese spontane Frage führte zu einem spannenden Gespräch über den Wert natürlicher Rohstoffe, nachhaltigen Konsum und unseren Umgang mit Ressourcen. Der Austausch verlief dabei in beide Richtungen – nun interessierten sich unsere Gäste dafür, warum wir manche natürlichen Rohstoffe kaum noch nutzen. Genau solche Perspektivwechsel machen internationale Begegnungen so wertvoll.

Pferde als Brückenbauer

Für einige Jugendliche war es die erste Begegnung mit einem Pferd überhaupt. Besonders beeindruckte sie, wie sensibel Pferde auf Körpersprache und Stimmungen reagieren.

Begegnungen, die bleiben

Was uns besonders in Erinnerung bleiben wird, ist die Atmosphäre. Es gab kaum einen Moment, in dem niemand Fragen stellte oder von den Erfahrungen aus seiner Heimat erzählte. Am Ende hatte niemand mehr das Gefühl, dass sich zwei fremde Gruppen begegnet waren. Genau darin liegt die Stärke der Strategischen Partnerschaft zwischen Sachsen und Uganda: Aus einer politischen Vereinbarung entstehen Begegnungen, die Menschen verbinden und lange in Erinnerung bleiben.

Wir bedanken uns herzlich bei der Gemeinschaftsschule Campus Cordis Dresden, der Kololo Senior Secondary School sowie allen Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften für ihr großes Interesse, ihre Offenheit und den wertschätzenden Austausch. Gleichzeitig freuen wir uns schon heute auf Ende August, wenn wir das Gymnasium Dresden-Tolkewitz und das Ocer Campion Jesuit College erneut auf unserem Landgut begrüßen dürfen.

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